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kembang
Kaiser



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kembang ist offline
  In der Galunganzeit im Pura BesakihAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Meinen Urlaub legte ich im Februar 2012 so, dass ich in der Galungan- Kuninganzeit in Bali, in Selat bei meinen balinesischen Freunden verbringen konnte.

Um die Tage, welche auf Bali immer schnell vergehen, zu verlaengern, stand ich schon um 4:30 Uhr auf. Den kleinen Bungalow, welcher zusammen mit anderen Bungalows auf einem kleineren Platz hinter der Strasse steht, bewohne ich fuer 4 Wochen alleine. Oefters raschelt es auf dem Dach und einen Mitbewohner namens Gecko habe ich auch. Es ist noch dunkel und fast alle Balinesen in den anderen Bungalows schlafen noch. So gehe ich moeglichst leise in den Bungalow, in welchem gekocht wird, und in dem sich abgetrennt das Bad befindet. In dem kleinen rumah mandi befinden sich die " Hocktoilette", und 2 Maurerkuebel voll kaltes Wasser, welches man nutzen kann, um die Seife mit einem groesseren Becher vom Koerper zu spuelen. Mitten in der Kueche lodert auf einer offenen Feuerstell der Kuskusan, bestehend aus Dandang, Ghamgahm und dem steinernen Deckel Kekeb. Die Mutter meines Gastgebers moechte wohl im Kuskusan den Reis fuer den Tag kochen. Die Kueche sieht sehr rustikal aus. Vom Russ geschwaerzt, viele alte Spinnweben haengen von der Decke herunter und an den Waenden befinden sich Gegenstaende, um welche sich schon seit Jahren keiner gekuemmert hat.

Frisch aus dem Mandi kommend, ziehe ich meine balinesische, traditionelle Kleidung an. Es wird wohl so gegen 5:00 Uhr sein, als ich mich auf den Weg zum Dorftempel in Selat mache. Ich treffe wohl auf 15 Balinesen, welche mich alle mit "Om Swastyastu" begruessen, manche sogar mit meinem Namen. Ich moechte die Stimmung in dieser Morgenstunde geniessen und so erreiche ich den Tempel nach etwa 10 Minuten Fussweg.

Obwohl etwa 30 Balinesen im Tempel anwesend sind, ist es erstaundich leise. Auf den Schreinen werden die Canangs geopfert,deren Massen sie gar nicht mehr aufnehmen koennen. So tuermen sie sich schon auf dem Boden. Auf dem dafuer vorgesehen Platz sitzen betend Balinesen. Ich fuehle mich sehr wohl und ich moechte mich nur dieser Ruhe und Atmosphaere hingeben. Aber nun kommt freudestrahlend ein Balinese mit einem Canang und einem Tupa zu mir, und drueckt mir diese in die Hand. Er zuendet mir sogar das Rauucherstaebchen an. Klar, dass man beten sollte, wenn man einen Tempel besucht. So begebe ich mich zu den anderen Balinesen und lasse mich im Schneidersitz nieder. Das Canang lege ich vor mich ab. Das Rauucherstaebchen stecke ich so schraeg in den Boden, dass der Rauch die Essenz des Canangs mit in den Himmel nimmt. Ich nehme das 1. weisse Bluetchen aus meinem Canang in die gefalteten Haende, bete kurz und stecke es hinten in meinen Udeng / Destar. Dann nehme ich das 2. Bluetchen in die gefalteten Haende, bete kurz und stecke es mit der rechten Hand hinter das linke Ohr. Gleiches mit dem 3. Bluetchen, nur schiebe ich es mit der linken Hand hinter das rechte Ohr. Dann halte ich die Handinnenflaechen ueber den Rauch des Raecherstaebchens, faltet die Haende in Gesichtshoehe und bete nochmals kurz. Jetzt geht die Sonne auf und ich sehe von meinem Platz aus, wie der Gunung Agung in tiefrotes Licht getaucht wird. Nun kommt der Pemangku zu mir, und spritzt einige Tropfen heiliges Wasser auf meinen Kopf. Dann lege ich die rechte, offene Handflaeche auf die linke offene Handflaeche, worauf der Pemangku mir 4 mal heiliges Wasser (Tirta) zu trinken gibt. Anschliessen verspitzt der Pemanku nochmals Tirta auf meinen Kopf. Danach reicht man mir eine Schale mit Reiskoernern, worauf ich mir einige Koerner auf die Stirn druecke, einige in den Mund lege und einige Koerne auf meine Brust druecke. Ich fuehle mich sehr gut und wie neugeboren. Nachdem ich aufstehe und noch einige Worte mit dem Pemangku wechsle, verabschiede ich mich mit einem "mepamit".

Auf dem Heimweg zu meiner balinesischen Familie treffe ich wieder viele Dorfbewohner, und mit allen wechsele ich einige freundliche Worte. Im Pondok fragt mich "Meme", die Mutter meines Gastgebers, wo ich gewesen sei. Nach meiner Antwort huscht ein freundliches Laecheln ueber das Gesicht von "Meme". Nun gibt mir Meme balinesischen Kaffee, Pisang goreng und Nangka goreng. Inzwischen ist die ganze Familie erwacht. Man wuenscht sich einen guten Morgen und wechselt einige freundliche Worte. Viel Spass habe ich immer mit den 4 Kindern meiner Gastgeberin. Von ihr weiss ich auch, dass sie mit ihrer Gruppe in einem Bale` Taenze im Pura Besakih auffuehren moechte. Die Zeit kann sie mir aber nicht angeben .. Wie so oft .. "jam karet".

Noch vor 7:00 Uhr kommt mein Freund aus Nyuhtebel (bei Candidasa) mit seinem Motorrad und fragt mich, wohin er mich bringen soll. Diesmal fahren wir unbesorgt vor der Polizei, mit vollem Ornat und deshalb ohne Helm auf Nebenstrecken durch abgelegene balinesische Doerfer und an Reisterassen vorbei zum Pura Besakih. Das Motorrad parkt mein Freund nahe der Bruecke und schon fast im Herzen vom Pura Besakih.

Schon nach 50 Metern Fussweg hoere ich ein Gamelan im Pura Basukian. Ich verabschiede mich vorerst von meinem Begleiter mit dem Auftrag, sich um die Tanzauffuehrung meiner balinesischen Gastgeberin zu kuemmern, denn ich will sie ja im Bale` treffen. Im Pura Basukian (einer der aeltesten und ersten Tempel) betrete ich durch das Candi Bentar (offenes Tor) den auusseren Bereich des Tempels. Rechts das Bale` mit dem Gamelan, links singen 2 Balinesen auf einem Bale` kakawin. Anschliessend ein grosses Bale`, wo "Banten" Goettergaben abgestellt werden koennen. Hier erweckt ein Balinese mit einigen Taschen Gepaeck meine besondere Aumerksamkeit, da ich ihn nicht einzuordnen weiss. Ich mache es mir gemuetlich, lausche dem Mix aus Gamelanmusik und den Kekawingesaengen und harre der Dinge, die da noch kommen koennen.

Nach einiger Zeit packt der Balinese das Erste seiner Topeng (Masken) -Tanzkleider aus und schluepft so nach und nach in verschiedene Kleidung, Masken und Charaktere. Bei seinen Taenzen hat er immer zur Begleitung das Gamelan. Bei einer seiner Vorrfuehrungen bezieht er mich mit ein. Er rechne nicht damit, dass ich sein Balinesisch verstehe. Eigentlich will ich mich nicht in seine Ausfuehrungen einmischen. Als aber seine Aussagen mich in ein eher laecherliches Licht ruecken, bringe ich mich lautstark in sein Gespraech mit ein. Ich sage ihm auf balinesisch, dass ich kein Australier sei sondern aus Deutschland komme, nicht in Kuta wohne , sondern bei einer balinesischen Familie. Aber oh jeh .., worauf habe ich mich da eingelassen. Die vielen Balinesen, welche durch den Vorhof gehen, um in das Inneren des Tempels zu gelangen, bleiben nun stehen. Eine kleine Menschentraube bildet sich. Er fragt mich mit verschmitzten Gesicht, welches mein Kawitan Tempel sei. Er erwartete natuerlich keine Antwort von mir. Da ist er aber auf dem Holzweg. Ich antworte ihm auf balinesisch, dass der Pura Pengubengan, etwa 2,5 km bergwaerts von hier mein Clantempel sei. Na ja, ist er ja nicht wirklich, aber es ist mein Lieblingstempel. Bevor er mir weiter Fragen stellen kann, welche ich nicht verstehe oder nicht beantworten kann, ergreife ich lieber das Wort auf Hochbalinesisch und fragte den Topengtaenzer aus. Themen waren die Familie, Zuordung der Tempel in die Himmelsrichtungen, die Agama Hindu Religion und das balinesische Essen. Komischerweise fällt mir das Gespraech nicht schwer, da ich das Erlernte ueber Bali sofort im Kopf hatte. Nun, ich glaube, dass das gefuehrte Gespraech den anwesenden Balinesen ein wenig Kurzweil beschert hat und ich meine in ihren Augen ein klein wenig Bewunderung fuer mein balinesisches Gespraech gesehen zu haben. Mit einem tityang mepamit trete ich einige Schritte zurueck. Jetzt schluepfte der Topengtaenzer als letztes noch in die Gestalt der Hexe Durga und fällt in Trance. 2 Helfer fuehren ihn in das Innere des Tempels, wo ein Pemanku mit heiligem Wasser hilft, dass der Taenzer wieder erwache. Inzwischen bittet mich das Gamelanorchester, dass ich in ihrer Mitte sitzen soll. Nun sind die balinesischen Musikinstrumente auch zu spueren. Eine Balinesin kommt mit Bechern voller Kaffee und balinesischem Kuchen, und ich muss nun mit meinen neuen Freunden kraeftig zugreifen.

Da mir dann die Knie weh tun, gehe ich nochmals zum Kekawin Bale` hinueber und wechsle noch einige Worte. Auch hier verfehlt das vorherige Gespraech mit dem Topengtaenzer nicht seine Wirkung. Die 2 Saenger, schon vorher sehr freundlich sind nun herzlich. Wenn es am schoensten ist, dann soll man aufhoeren. So gehe ich zum Eingangstor zurueck und mit einem lauten "tityang pamit dumun" verabschiede ich mich. Zig Stimmen gruessen zurueck .. "ngiring ngiring".

Mein Motorradfahrer suchte mich noch nicht auf, und so beschliesse ich, zum nahegelegenen Pura Penataran zu gehen. Ein Balinese tritt an meine Seite und meinte auf Englisch, dass es mir nicht gestattet sei, in den Tempel einzutreten. Ich sage ihm hoeflich auf Hochbalinesisch, dass ich Hindu sei und seine Erlaubnis erbitte, beten zu duerfen. Ohhhh .., ich glaube, dass der Balinese am liebsten in den Erdboden versunken waere. Er bittet mich 1000 mal um Verzeihung, machte sich sehr klein und verschwindet wie der Blitz. Im Pura Penataran Agung setze ich mich zu den anderen betenden Balinesen und die Zeit lässt es zu, noch ein kleines Plauuschchen zu halten. Das Betritual ist das Gleiche wie schon am Morgen.

Mein Motorradfahrer tritt in mein Gesichtsfeld und signalisiert mir, dass die Taenze im nahegelegenen Bale` alsbald beginnen werden. Hier sitzen die Balinesen in einem Halbkreis im Inneren eines grossen Bale`s. Ich setze mich zu den Anderen auf den Boden,allerdings nicht mehr im Schneidersitz. Kinder im Kindergartenalter oder 1. Schulklasse, geschminkt und in Tanzkostuemen fuehren verschiedene Taenze auf. Meine Gastgeberin, welche die Kinder wohl schminkte, kam mit einem grossen Tablett mit Kaffee, Wasser und Kuchen und stellt es vor mir ab. Nun bin ich von grossem Interesse für alle und das Gespraechsthema drehe sich um mich.

Spaeter stehen die Kinder auf einer Treppe, welche zum Bale` fuehrt und so sind sie ein Photomotiv der Touristen, welche im Expressdurchgang den Pura Besakih besichtigen. Nun, ich trage seit langem keine Uhr mehr. Zeit zu haben ist fuer mich das Wichtigste auf Bali .

Die Sonne neigt sich schon dem spaeten Nachmittag zu und so beschliesse ich, wieder nach Hause, nach Selat zu fahren. Mein Freund und Motorradfahrer, den ich schon seit langem kenne, weiss genau, wann ich ihn brauche, und wann er sich unsichtbar zu machen hat, steht ploetzlich mit einem Getraenk fuer mich neben mir. "Genug" sage ich ihm. "Morgen und in den folgenden Tagen fahren wir wieder zum Besakih". So geht es am spaeter Nachmittag zurueck nach Selat. Im Pondok begruessen mich meine 4 "Enkelkinder" auf das Herzlichste und umarmen mich. Ich zahle meinem Freund 100.000 IDR die er immer fuer einen Tag Motorradfahren inkl. Sprit bekommt. Dies war alles, was mich der Tag kostete, denn ich bin unter Freunden. So zahle ich auch nichts fuer die Speisen und die Getraenke, welche ich von der Familie bekomme. Auch die Uebernachtungen sind fuer mich kostenlos. Klar stecke ich der Familie am Ende meines Urlaubs einen Umschlag mit Geld zu ... als Schulgeld für die Kinder.

Schnell jetzt noch ein Mandi und im Gegensatz zum Morgenmandi mit dem kalten Wasser geniesse ich nun das frische Wasser. Bald trifft auch meine Gastgeberin vom Pura Besakih her kommend ein, sodass wir zusammen gegen 6:00 Uhr oder 6:30 Uhr zu Abend essen. Fuer mich gibt es nichts Besseres, als zusammen mit Balinesen das einheimische Essen zu geniessen.

Frueh geht man schlafen. Fuer mich verging der Tag wieder wie ein Pfeil. Verflixt, wie koennte es mir gelingen, die Zeit auf Bali laenger zu machen. Nun koennte die Antwort lauten, dass ich laengere Zeit auf Bali bleiben koennte. Aber ich war vor einigen Jahren 3 Monate am Stueck auf Bali. Geholfen hat es kaum etwas.

3 Tage nachdem ich im November 2012 aus Bali zurueck in Deutschland war, buchte ich meinen naechsten Flug. Hallo Bali, am 15. Mai 2013 komme ich zurueck auf die Goetterinsel zu meinen Freunden !

Viele Gruesse,

-- Kembang --


__________________
Lächeln bringt meist mehr als 1000 Worte.

25.01.2013, 16:16 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an kembang senden
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