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Eva
Moderator




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Eva ist offline
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Hallo Wolfgang,

vielen Dank für die Korrekturen. Am obigen Beispiel war es gerade zu sehen, wie mühsam es ist, einen Text ohne deutsche Tastatur zu verfassen. Das muss also extra gewürdigt werden! :-)

Liebe Grüße
Eva

27.06.2005, 11:38 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Eva senden Füge Eva in deine Contact-Liste ein
kembang
Kaiser



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kembang ist offline
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Hallo Wolfgang,

vielen Dank an Dich für Deine Mühe, ein solches Balitagebuch zu schreiben.

Viele Grüße,

-- Kembang --


__________________
Lächeln bringt meist mehr als 1000 Worte.

27.06.2005, 14:19 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an kembang senden
Wolfgang Kuestermann
Haudegen




Dabei seit: November 2001
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Wolfgang Kuestermann ist offline
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@ Eva: vielen Dank fuer das Lob, aber fuer mich ist es nicht sonderlich schwierig, da ich beides gewoehnt bin. Hier werden die Sonderzeichen nur selten richtig dargestellt, deshalb ist mir der Fehler auch nicht aufgefallen. Ich musste mir erst einen Computer suchen, der auch ein a mit Punkten kennt, um zu sehen, was ihr seht. Meine eigenen Texte kenne ich gut genug, um sie auch mit Einsprengseln von japanischen Schriftzeichen fluessig zu lesen. Also auch nochmal ein Danke fuer den Hinweis an Kembang.

Wolfgang


__________________
http://www.hawoky.de/reise.htm

30.06.2005, 09:43 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Wolfgang Kuestermann
Haudegen




Dabei seit: November 2001
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Wolfgang Kuestermann ist offline
  20. - 28. JuniAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

20.06.
Heute ist ein fauler Tag, ich sitze auf der Terasse und schaue den Kindern beim spielen zu. Sie laufen in
einer Reihe über den Hof, die Hände auf den Schultern des Vorauslaufenden und brüllen einen indonesischen
Kinderreim im Chor, von dem ich nur selamatnya verstehe. Diese gramatikalische Form findet sich allerdings
in meinem Wörterbuch nicht wieder, obwohl ich mir ausführlichere besorgt habe. Die sind hier auch nicht
viel teurer, als die überall zu habenden, wie das Taschewortebuch. Über diesen Titel bin ich sprachlich
gestolpert, muß aber zugeben, dass er nicht unlogisch ist. Schließlich steckt man es ja nur in eine Tasche
und Worte ist auch nicht falsch. Für die besseren muß man sich schon zu Gramedia bemühen. Die haben
in Denpasar einen Laden im Keller vom Matahari - Kaufhaus. Das Kamus Indonesisch - Deutsch gibt es
gleich in drei Versionen: Gebunden für 95, als Taschenbuch für 60 und in grauer Papierqualität für 30 000 Rp.
(Heuken) Die umgekehrte Sprachrichtung hatten sie allerdings nicht vorrätig. Gibts aber auch.
21.06.
Frühstück bei den Japanerinnen mit viel ohhs und ahhs und hei hei. Sie reisen heute ab, mehr als 10 Tage
Baliurlaub sind bei ihren Arbeitsverhältnissen nicht drin. Ich kann jetzt guten Appetit (ito daki mas) und danke
(aligato) auch auf japanisch sagen, aber ob ich das nicht übermorgen wieder vergessen habe?
Es ist mal wieder Vollmond, mein vorläufig letzter auf Bali. Beim nächsten werde ich in Bangkok sein und mich
Europa langsam wieder nähern. Selbst vier Monate sind zu kurz, die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Nachmittags
war ich noch in Padangbai, aber die Wellen waren viel zu heftig zum Schwimmen. Abends solllte am Bias
Tugal eine Vollmondparty sein. So lange bin ich dann doch nicht geblieben, vielleicht auch, weil ich mich an
eine erinnere, die vor Jahren dort stattfand, mit einer Gitarre und einem Kasten Bier. Das war ja ganz lustig,
aber da habe ich in Padangbai gewohnt.
22.06.
Der Vollmond ist auch wieder Anlass für religiöse Zeremonien. Überall laufen traditionell gekleidete Balinesen
herum, Frauen tragen die Opfergaben auf dem Kopf zum Tempel. In Pengosekan ist dieses mal ein anderer
Tempel an der Reihe, im Bale daneben spielt ein Gamelan, dazu gibt es Tänze. Die Zuschauer stehen bis auf
die Straße. Ein paar Touristen sind auch darunter, die werden jetzt langsam mehr, die Hauptreisezeit hat
begonnen. Doch als ich abends, zur besten Dinnerzeit durch Ubud fahre, sehe ich trotzdem viele leere
Restaurants. Vor allem die neuen, die von weitem schon teuer aussehen, haben keine Gäste. Der Bedarf
ist wohl längst nicht so groß, wie das Angebot. Als ich nach Hause komme, fliegt eine Fledermaus in großen
Schwüngen immer wieder um die Lampe auf der Terasse. Nun sollen sich diese Tiere ja mit Ultraschall
orientieren, wieso diese hier auf das Licht fixiert ist, weiß ich nicht. Nachdem ich eine Weile zugeschaut habe,
mache ich das Licht aus und sie verschwindet auch promt.
23.06.
Der Tag beginnt leicht bewölkt, aber es ist vollkommen windstill. Selbst das öffnen des Fensters, was im
allgemeinen für Durchzug sorgt und mehr Luftbewegung bringt, als der Ventilator, bleibt wirkungslos. Ich
dusche ausgiebig, doch mittendrin ist das Wasser alle. Das passiert öfter und ist eigentlich kein Problem,
weil man nur die Pumpe einschalten muß, um den Turm wieder aufzufüllen. Aber nackt und naß geht das nicht,
denn der Schalter ist außen am Haus. Also wickele ich mich in einen Sarong, der sowieso mal in die Wäsche
muß, laufe nach draußen und warte dann die zehn Minuten, bis die Dusche wieder läuft und ich mir die
restliche Seife abspülen kann.
Für den Abend haben wir einen deutschen Herrenabend in Sanur vereinbart. Treffpunkt ist Mac D, weil für
jeden gut erreichbar und nicht zu übersehen. Ich bin als erster da und habe Zeit genug zu staunen, wie
beliebt diese lauwarmen Brötchen bei den Einheimischen sind. Es ist richtig voll und Touristen kann ich
unter den Gästen keine entdecken. Wir gehen, nachdem wir uns versammelt haben, eine Ecke weiter,
wo auf dem Gelände einer Autowerkstatt, nach deren Feierabend drei gut frequentierte Warungs ihr
Abendgeschäft machen. Das Essen ist preiswert und gut. Vom Verkehr auf dem Bypass werden wir durch
eine provisarische Wand abgeschirmt. Das Publikum ist gemischt, neben uns sitzen Japaner. Was hieß
noch gleich "guten Apetitt?" Als uns die Stühle zu unbequem werden, wechseln wir ins Arena - Sportcafe,
das auf dem Rückweg zu MD liegt, wo unsere Motorbikes stehen. Aircon, Kissen auf den Bänken, Tennis
auf der Großleinwand und Fußball auf zwei Fernsehern. Auch am Nachbartisch spricht man Deutsch.
Nach zwei kleinen Bintang ist Mitternacht vorbei, wir brechen auf. Auf dem Parkplatz von MD stehen unsere
Bikes jetzt einsam herum, das Lokal ist leer, obwohl es 24 Stunden geöffnet ist.
24.06.
Ich fahre die Straße in Richtung Tegalalang hoch, links und rechts sind überall die Shops der Holzschnitzer
und anderen Produzenten, die hier in der Hauptsache ihren Großhandel abwickeln. LKWs versperren schon
mal die halbe Fahrbahn, wenn sie beladen werden. Irgendwann biege ich ab, auf einen Weg, den ich noch
nicht kenne. Er führt steil nach oben, am Rand einer Schlucht entlang. Ich komme durch ein Dorf, in dem nur
Garudas geschnitzt werden. Oft sind diese Vogelwesen mit ausgebreiteten Schwingen mehr als zwei Meter
hoch. Danach windet sich die Straße durch winzige Reis- und Gemüsefelder, eine aus Bambusstangen
errichtete Hühnerfarm erkennt man am Gegacker, das weithin zu hören ist. An einer Kreuzung glaube ich mich
wieder auszukennen. Das müßte die Nebenstraße nach Petulu sein, der ich folge, bis ich in eine Baustelle
gerate. Auf meine fragenden Blicke und entsprechende Handzeichen winken mich die Bauarbeiter durch.
Sogar ein Baggerfahrer unterbricht seine Arbeit, um mich passieren zu lassen. Es ist schwierig, auf dem
losen Grund zu fahren, an einer Steigung will das Hinterrad kaum noch greifen. Aber ich schaffe es und
stehe nach zwei oder drei Kilometern vor einem tiefen Loch, über das eine Brücke erst noch gebaut werden
muß. Hier gibt es kein weiterkommen, also drehe ich um und fahre zurück. Dabei sehe ich bei den
Bauarbeitern nur lachende Gesichter, sie scheinen ihren Spaß an meinem Ausflug gehabt zu haben. Als
ich wieder Teer unter den Rädern habe, halte ich am ersten Warung an und trinke einen Kaffee. Auch die
alten Männer, die dort sitzen, haben mich schon auf dem Hinweg gesehen. In ungefähr drei Monaten,
erzählen sie, soll die Straße wieder benutzbar sein. So lange will ich nicht warten.
25.06.
Nach einem weitestgehend vertrödelten Tag entschließe ich mich nachmittags zu einem Ausflug nach
Legian. Das Nachtleben in Ubud ist, selbst am Samstag, doch ein wenig mager. Rechtzeitig zum
Sonnenuntergang bin ich am Strand, aber die versteckt sich in einem Dunstschleier am Horizont. Macht
auch nichts, meine Kamera habe ich eh nicht dabei. Die übliche Runde ist heute extrem klein und löst
sich auch nach dem ersten Getränk im Blue Ocen rasch auf. Das ist dafür zur Essenszeit bis auf den
letzten Platz besetzt. Man merkt deutlich, dass die Saison begonnen hat. Ich fahre nach Kuta und esse in
einem kleinen Warung. Am Strand stehen Bühnen für den Kutakarneval, der heute beginnt. Doch irgendwie
steht man da nur herum, es scheint nicht die richtige Zeit zu sein. Als es spät genug ist, statte ich der
Jl. Dhyana Pura einen Besuch ab, wo es vergleichsweise ruhig zugeht. Ich treffe niemanden, den ich kenne,
schlendere die Straße auf und ab und trinke ein Bier im Bahiana. Dort wird Salsa getanzt, da macht auch
das Zuschauen Vergnügen. Es ist noch nicht all zu spät, aber ich werde müde, bin es nicht mehr gewohnt,
mir die Nacht um die Ohren zu schlagen. Also mache ich mich auf den Heimweg. An der Kreuzung in
Lothundu steht die Polizei und kontrolliert alle vorbeikommenden Fahrzeuge. Ungewöhnlich, so mitten in
der Nacht. Es scheint, sie suchen nach Drogen, denn als ich die Papiere aus dem Helmfach hole, wird
intressiert hineingeschaut. Sogar die Schachtel mit der Ersatzzündkerze wird geöffnet. Man lobt meine
Sprachkenntnisse und verwickelt mich in ein Gespräch. So viel gibt es um diese Zeit doch nicht zu tun.
Erst als ich zunehmend behaupte, nicht richtig zu verstehen, läßt man mich weiterfahren.
26.06.
Wenn ich bei Puteri Minang esse, läuft immer ein Fernseher. Das Programmniveau liegt knapp über dem,
der Teletubbies, meist lohnt das Hinsehen kaum. Lustig sind ja noch Magicfilme, wo die handelnen Personen
sich verwandeln können, übernatürliche Kräfte besitzen, auf Besen reiten oder fliegen können. Es läuft
immer darauf hinaus, das man sich (gut gegen böse) mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln prügelt.
Den Text zu vestehen ist absolut überflüssig. Heute gab es eine Werbesendung in der eine Sauna zum
anziehen angepriesen wurde. Das sah aus wie ein aufgeblasener Raumanzug. Als Vorteil wurde herausgestellt,
dass man beim Saunen auch noch staubsaugen könne. Vielleicht habe ich zu sehr gelacht, um mitzubekommen,
ob das für das Funktionieren der Sauna notwendig ist, und ob die dazugehörige Abkühlung auch in dem Anzug
integriert ist. Dann gab es ein wachstumsfördendes Pflaster, dass man sich nur an den Nacken kleben muß.
Die Erklärung der Wirkungsmethode sah sehr wissenschaftlich aus, mit roten Kügelchen, die durch einen
(Rückenmarks?) Kanal strömten. Ich habe trotzdem meine Zweifel, aber bei den eher kleinwüchsigen Asiaten
finden sich sicher auch ein paar Dumme. Das über solchem Blödsinn das Essen kalt wird, muß man nicht
befürchten. Hier wird eh nicht wirklich warm gegessen.
27.06.
Sieben Kinder spielen heute auf meiner Terasse, aber sie ist groß genug. Es ist auch nur unwesentlich lauter
als sonst, denn weit weg sind sie nie. Plötzlich geraten sie in Aufregung und stürzen alle an das eine Ende und
lehnen sich über das Geländer. Ich verstehe nur Elefant, kann aber keinen entdecken. Nun sind die aber nicht
so klein, dass ich einen übersehen würde. Da alle Finger in eine Richtung weisen, entdecke ich schließlich,
was gemeint ist. Ein fast zwei Meter langer Waran läuft über die Zufahrt in Richtung der Reisfelder. Das es
so etwas gibt, weiß ich, aber man bekommt sie wirklich selten zu sehen. Und für ein Foto ist auch dieser zu
weit weg. Ich krame in meinen Sachen herum. Irgendwo müßten doch noch ein paar Luftballons sein. Sie
weden begeistert angenommen. Doch nach einer halben Stunde liegen sie nur noch in den Ecken herum.
Irgend etwas ist intressanter. Macht nichts, das ist ein billiges Vergnügen und etwas anderes, als immer
nur Bonbons.
28.06.
Die Hühner laufen heute auf den Dächern herum. Ich weiß nicht, wie sie da hoch kommen, denn so richtig
flugfähig sind sie ja nicht und bisher habe ich das auch noch nicht gesehen. Ich beobachte sie eine Weile
und entdecke dann auch ihren Weg nach oben. Erst auf die Mauer zum Nachbargrundstück, dann auf einen
Pfeiler und von da aus über ein ziemlich flaches Dach weiter nach oben. Dort haben sie dann Schwierigkeiten
mit der Dachschräge. Die funktioniert schon mal als Rutschbahn und ein Huhn flattert gackernd gen Boden.
Andere laufen den First entlang und entschwinden meinen Blicken. Von einer Kokospalme fallen vertrocknete
Palmwedel herunter. Bei näherem hinsehen stelle ich fest, dass jemand oben in der Krone sitzt und sie mit
dem Messer abschlägt. Als die Sicht nach unten frei ist, sind die Kokosnüsse an der Reihe. Gelenkig wie
ein Affe klettert der Mann dann barfüßig den Stamm wieder hinunter.




Hans (W.)


__________________
http://www.hawoky.de/reise.htm

30.06.2005, 09:45 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Rolli
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Rolli ist offline
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auch von mir ein herzliches "Dankeschön!" für das sehr lesenswerte Tagebuch !!!

Viele Grüsse, Rolli

30.06.2005, 15:26 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Rolli senden
Wolfgang Kuestermann
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Wolfgang Kuestermann ist offline
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29.06.
Beim streunen durch die Berge fahre ich möglichst quer zu den Flußtälern. Das bedeutet immer kleine Straßen,
viele Kurven und manchmal unmögliche Steigungen. An einer bleibe ich hängen, als es nach einer Kurve noch
steiler wird. Ich habe nicht schnell genug heruntergeschaltet und würge den Motor ab. Da stehe ich nun, kann
das Motorrad grade eben festhalten, es hat den deutlichen Drang, rückwärts bergab zu rollen, trotz Bremse.
Um in den ersten Gang zu schalten, müßte ich einen Fuß vom Boden nehmen, doch das geht nicht. Zum Glück
kommen zwei Balinesen zu Fuß den Berg herunter, sie lachen und halten mir dann das Motorbike fest. Jetzt
kann ich wieder starten und tuckere im ersten Gang bis zur Kuppe. Geschafft, ich hole tief Luft und schaue mich
nach einer Gelegenheit für eine Pause um. Doch erst ein paar Kilometer weiter komme ich am nächsten Warung
vorbei. Ich halte für eine Thebotol und eine Zigarette. So komme ich nach Bangli, von da fahre ich dann doch
lieber über Gianyar auf den großen Straßen zurück.
30.06.
Ich bin wieder einmal zu einer Zeremonie eingeladen, das heißt, sich balinesisch verkleiden. Ich komme mir
darin immer ein wenig seltsam vor, aber das geht mir im schwarzen Anzug mit Schlips und Kragen nicht anders.
Die Zahnfeilung ist wohl mehr eine Famielienfeier, obwohl ein Priester anwesend ist und wichtige Handlungen
vollzieht. Ich bekomme davon nur wenig mit, weil ich mich mit einem jungen Mädchen unterhalte, die in Surabaya
am Goetheinstitut deutsch lernt. Sie ist zwar auch extra zur Zeremonie nach Hause gekommen, kann aber die
Gelegenheit, mit einem richtigen Deutschen zu sprechen nicht einfach ungenutzt lassen. Zum ersten mal werden
mir die Standardfragen, die ich auf englisch und indonesisch inzwischen im Schlaf beantworten kann, auf
deutsch gestellt. Aber sie hat mehr als nur das gelernt und deshalb beschäftigen wir uns mehr mit unserem
Gespräch, als mit der Zeremonie. Zum Essen gibt es viel Fleisch, was ich nicht mag und ich behaupte der
Einfachheit halber, Buddhist zu sein und deshalb kein Fleisch zu essen. Religiöse Gründe werden hier viel
leichter akzeptiert, als persönliche. Satt geworden bin ich trotzdem.
01.07.
Das fünf Monate alte Baby der Leute unter mir ist eigentlich ein friedliches Kind. Der Vater trägt es oft durch den
Garten und wenn wir uns begegnen, lacht es mich an. Zu hören ist es so gut wie nie, aber heute schreit es. Ob
es wohl daran liegt, dass es seit gestern irgendein Dudelspielzeug gibt, welches ständig die gleiche, einfache
Melodie von sich gibt? Wenn ich mich dem nicht entziehen könnte, würde ich auch schreien. Ein anderer Nachbar
stellt eine neue Fernsehantenne auf. Sie ist an einer langen Bambusstange befestigt und er wedelt damit herum,
als wolle er den besten Empfang ausfindig machen. Nachher steht sie dann doch ganz woanders und er poliert
wieder an seinem Motorbike herum. Das tut er oft und das Fernsehprogramm kann da, wie es scheint, nicht
mithalten. Die seltsame Frangipanipflanze im Garten hat ihre einzige Blüte abgeworfen und hat jetzt statt
dessen ein ! Blatt.
02.07.
Nach einem Einkaufsbummel in Denpasar lande ich zum Sonnenuntergang wieder in Legian. Eine der
Atraktionen zum Kuta-Karneval ist ein Food Festival dessen Stände zwischen Jl. Padma und Jl. Melasti auf
der Strandpromenade stehen. Als es dunkel wird, laufen wir die paar hundert Meter am Wasser entlang,
um uns dort zu verköstigen. Es herscht reges Gedränge, viele der besseren Restaurants sind vertreten, doch
nicht immer läßt sich die Leistung der Küche unter diesen Bedingungen reproduzieren. Die Bestellabläufe sind
eher kompliziert gehalten und sorgen für Wartezeiten trotz hohen Personalaufwands. Nur das Bier wird
einfach über die Theke gereicht und direkt kassiert. Mir fehlt die Geduld, auf das Nachtleben zu warten,
deshalb habe ich bei der Rückfahrt noch Gelegenheit, den nächtlichen Gemüsemarkt in Denpasar zu besuchen.
Die Gebäude des Pasar umum sind geschlossen, aber ringsherum stehen zahlreiche Stände mit unterschiedlichen
Angeboten. Da türmen sich bekannte und unbekannte Gemüse, Papayas und Durian in großen Haufen.
Dazwischen Haushaltswaren und Haarspangen. Frische Fische, die größeren in Stücken, oder kleine
getrocknete. Ganze Hühner, mit oder ohne Füßen, Hühnerschenkel und Innereien. Der Geruch ist gewöhnunsbedürftig.
Weiter außen gibt es alles für die Opfergaben. Fertig gesteckt, oder leere Schälchen, Blüten und Palmblätter
zum selbst flechten, auch Bananenblätter, das klassische Verpackungsmaterial, werden in gefalteten Bündeln
angeboten. Eine Traube von Männern steht um ein Glücksspiel herum, dessen Tableau am Boden liegt. Es
werden nicht unerhebliche Summen gesetzt. An der Gaja Mada wird aus Thermoskannen Kaffee verkauft,
aber der ist bestimmt stark gezuckert. Auch in den umliegenden Straßen finden sich noch vereinzelt Stände
auf dem Gehweg. Mais, Kartoffeln, Krupuk. Eine der Marktfrauen hat einen Hut auf, der sie eher nach einer
südamerikanischen Indio aussehen läßt.

Meine letzte Woche auf Bali gibt es erst, wenn ich wieder zu Hause bin. Jetzt bin ich in Malaysia, was ja nicht ins Bali-Forum gehoert.

Hans (und demnaechst wieder Wolfgang)


__________________
http://www.hawoky.de/reise.htm

19.07.2005, 09:10 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
kembang
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kembang ist offline
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Hallo Wolfgang,

nochmals vielen Dank für Dein Tagebuch, da ja sehr viel Arbeit darin steckt, und es so erfrischend geschrieben wurde, möchte ich es gebührend würdigen. Kommt noch ein Teil ? Die hawokys Reime auf Deiner Homepage, hier besonders das Küchenlied, gefallen mir auch sehr gut !

Viele Grüße,

-- Kembang --


__________________
Lächeln bringt meist mehr als 1000 Worte.

04.09.2005, 10:41 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an kembang senden
Bernd Rose
Kaiser




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Bernd Rose ist offline
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Hallo Wolfgang,

> Meine letzte Woche auf Bali gibt es erst, wenn ich wieder zu Hause bin.

Vielen Dank für Dein Bali-Tagebuch. Bist Du schon wieder zu Hause ;-) ?

Mit freundlichen Grüßen
Bernd


__________________
»To follow the dream- and so- always...« Lord Jim - Joseph Conrad

04.09.2005, 13:08 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Bernd Rose senden
Wolfgang Kuestermann
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Wolfgang Kuestermann ist offline
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Eine Fortsetzung gibt es nicht, aber ich verlinke jetzt mal ein paar Bilder.

W.


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Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Kuestermann am 05.04.2007, 15:28 Uhr editiert.

04.09.2005, 15:30 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Thomas Eder
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Thomas Eder ist offline
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Hallo Wolfgang

ich stelle jetzt zum dritten mal fest, dass ich deine HP nicht aufrufen kann. Die Seiten öffnen sich nicht. Und jedesmal nachdem ich versucht habe deine Seiten zu öffnen, funktioniert mein Internet nur noch in Zeitlupe und andere Seiten gehen auch nicht mehr auf.

Gruß
Thomas


__________________
Viele Grüße von Thomas

www.balijazz.de

07.04.2007, 17:37 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Thomas Eder senden Homepage von Thomas Eder
Wolfgang Kuestermann
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Wolfgang Kuestermann ist offline
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Hallo Thomas,
ich weiss nicht, wie ich dir da helfen kann. Die Seite ist nur 7 KB groß und liegt auf einem Server von Strato. Weder von meinem eigenen PC, noch von anderen habe ich Probleme die Seiten aufzurufen.
Das einzige was mir einfällt: Schau dir doch mal die Prozesse in deinem Taskmanager an, wenn du es versuchst. Vielleicht ist einer dabei, der dein System lahmlegt, aber das müsste dann bei anderen Aufrufen auch passieren. Das schlimmste, was dir passieren kann, wenn du einen Prozess beendest, ist, dass Windows beleidigt ist und du neu starten musst.

W.


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07.04.2007, 21:07 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Batsch
Senior Mitglied



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hallo Wolfgang
gibt es diese amüsanten Tagebuchepisoden auch aneinandergereiht respektive zusammengefasst? Ich würde sie mir dann nämlich gerne ausdrucken. Sie würden mir ganz bestimmt die täglichen Zugsfahrten zu und von der Arbeit versüssen und die Wartefrist bis zu unserer Balipremière im September verkürzen
Es grüsst Batsch


__________________
Toleranz ist gut-aber nicht gegenüber Intoleranten

09.04.2007, 17:19 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Batsch senden
Wolfgang Kuestermann
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hallo Batsch,
wenn du mir per PN deine e-mail-adresse und deinen Klarnamen mitteilst, kannst du gerne die Rohfassung bekommen. Anonym lesen kannst du ja hier.

W.


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09.04.2007, 21:34 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Wolfgang Kuestermann
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  Nyepi 2010Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Nyepi, das balinesische Neujahrsfest ist der ruhigste Tag auf Bali, niemand geht aus dem Haus, man macht kein Licht, kein Feuer. Nur die Vögel und die Hunde sind an diesem Tag zu hören, deutlicher als sonst, da sie nichts übertönen müssen. Gefeiert wird vorher, da jagt eine Zeremonie die andere, jeder Tempel wird geschmückt, Opfer werden gebracht. Tagelang sind von den Frauen Opferschälchen in den verschiedensten Formen geflochten worden, die Prister haben Hochkonjuktur. Am Tag vor Nyepi ist dann der Höhepunkt der Feierlichkeiten, Straßenkreuzungen werden gesegnet und die Ogoh Oghos, die die jungen Männer in wochenlager Arbeit gebaut haben, werden vor die Tür gestellt. Das sind Dämonenfiguren, die dann nach Sonnenuntergang auf Bambusgestellen durch die Straßen getragen werden,um, begleitet von Gamelanorchestern und Feuerwerk, die Dämonen von der Insel zu vertreiben. Ein großes Spektakel ist die Aufstellung der Ogoh Ogohs am Nachmittag auf dem Sportplatz in Ubud, da kommt dann von der Handykamera bis zum Highend-Equipment alles zum Einsatz, womit sich fotografieren läßt. Zum Teil sind die Figuren so groß, dass lange Bambusstangen mit angebauter Gabel bereitstehen, um die über die Straßen führenden Stromleitungen anheben zu können. Aber auch Kinder mit entspechend kleinen Dämonen sind mit von der Partie. Einige von ihnen sind geschmikt oder haben bunte Haare. Wenn dann die Sonne untergegangen ist und der Umzug beginnt, nehmen die Touristen Aufstellung entlang der Strecke, um weiter fleißig fotografieren zu können. Dort sind die Restaurants noch geöffnet, abseits davon ist schon alles geschlossen, denn um Mitternacht müssen alle zu Hause sein. Und für die Balinesen heißt das: Bei der Famielie, im Heimatdorf.

Wenn die so vertriebenen Dämonen am nächsten Tag zurück kommen sollten, sollen sie die Insel leer vorfinden und unverrichteter Dinge wieder abziehen, deshalb wird streng auf die Einhaltung der Regeln geachtet.Touristen scheinen die Dämonen aber nicht zu intressieren, denn für sie werden, je nach Hotel, mehr oder weniger Ausnahmen gemacht. Die Anlagen verlassen dürfen aber auch sie nicht und selbst der Flughafen bleibt an diesem Tag geschlossen. Wieso die Dämonen auf einmal fliegen können um von oben brennende Lichter zu entdecken, während sie sonst von Mauern aufgehalten werden,bleibt mir ebebso rätselhaft, wie die Sonderbehandlung von Touristen. Aber Religion hat ja nichts mit Logik zu tun. Die Nacht wird still, nachdem die letzten Motorengeräusche verklungen sind. Eigentlich sollte es jetzt dunkel sein, denn es ist Neumond, aber bei dem fehlenden Umgebungslicht leuchten die Sterne um so heller und man sieht um ein Vielfaches mehr davon, sie scheinen zum greifen nah zu sein. Lange liege ich noch in der Hängematte auf der Terasse und schaue ihnen zu.


__________________
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18.03.2010, 03:00 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Wolfgang Kuestermann senden Homepage von Wolfgang Kuestermann
Newman
Foren Doppel-As



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Beiträge: 170

Newman ist offline
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Zitat:
Original von Wolfgang Kuestermann
denn es ist Neumond, aber bei dem fehlenden Umgebungslicht leuchten die Sterne um so heller und man sieht um ein Vielfaches mehr davon, sie scheinen zum greifen nah zu sein. Lange liege ich noch in der Hängematte auf der Terasse und schaue ihnen zu.



Der Sternenhimmel war atemberaubend in der Nyepi nacht , hab Ihn in den letzten Jahren nie so strahlend empfunden wie diesesmal.

18.03.2010, 04:15 Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Newman senden
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